Chrilles Backstübchen

Gesetze - Honigverordnung

Honigverordnung (HonigV)
Honig
Ausfertigungsdatum: 16.01.2004
Vollzitat:

"Honigverordnung vom 16. Januar 2004 (BGBl. I S. 92), die zuletzt durch Artikel 9 der Verordnung vom 8. August 2007 (BGBl. I S. 1816) geändert worden ist" Stand: Zuletzt geändert durch Art. 9 V v. 8.8.2007 I 1816
Mit dieser Verordnung wird die Richtlinie 2001/110/EG des Rates vom 20. Dezember 2001 über Honig (ABl. EG 2002 Nr. L 10 S. 47) in deutsches Recht umgesetzt.

Fußnote
Textnachweis ab: 29.1.2004 Amtlicher Hinweis des Normgebers auf EG-Recht:
Umsetzung der EGRL 110/2001 (CELEX Nr: 301L0110)

Eingangsformel
Das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft verordnet auf Grund- des § 19 Abs. 1 Nr. 1, 2 Buchstabe b, Nr. 3 und 4 Buchstabe a und c des Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 9. September 1997 (BGBl. I S. 2296), der durch Artikel 42 Nr. 4 der Verordnung vom 29. Oktober 2001 (BGBl. I S. 2785) geändert worden ist, in Verbindung mit § 1 des    Zuständigkeitsanpassungsgesetzes vom 16. August 2002 (BGBl. I S. 3165) und dem Organisationserlass vom 22. Oktober 2002 (BGBl. I S. 4206) im Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit sowie
- des § 44 Abs. 1 Nr. 2 des Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetzes:

§ 1 Anwendungsbereich
Die in Anlage 1 aufgeführten Erzeugnisse unterliegen dieser Verordnung, soweit sie dazu bestimmt sind, als Lebensmittel gewerbsmäßig in den Verkehr gebracht zu werden.

§ 2 Anforderungen an die Beschaffenheit
Honig muss hinsichtlich seiner Beschaffenheit den Anforderungen nach Anlage 2 entsprechen.

§ 3 Kennzeichnung
(1) Für die in Anlage 1 aufgeführten Erzeugnisse sind die dort genannten Bezeichnungen Verkehrsbezeichnungen im Sinne der Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung.
(2) Die in Anlage 1 genannten Bezeichnungen sind den dort aufgeführten Erzeugnissen vorbehalten. Diese Bezeichnungen können außer bei Erzeugnissen nach Anlage 1 Abschnitt II Nr. 3, 4, 8 und 9 durch die Bezeichnung "Honig" ersetzt werden.
(3) Die in Anlage 1 genannten Bezeichnungen können außer bei Erzeugnissen nach Anlage 1 Abschnitt II Nr. 8 und 9 ergänzt werden durch Angaben
1. zur Herkunft aus Blüten oder lebenden Pflanzenteilen, wenn der Honig vollständig oder überwiegend den genannten Blüten oder Pflanzen entstammt und die entsprechenden organoleptischen, physikalisch-chemischen und mikroskopischen Merkmale aufweist; 2. zur regionalen, territorialen oder topographischen Herkunft, wenn der Honig ausschließlich die angegebene Herkunft aufweist; 3. zu besonderen Qualitätsmerkmalen.
(4) Zusätzlich zu den nach der Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung vorgeschriebenen Angaben muss die Kennzeichnung der in Anlage 1 aufgeführten Erzeugnisse folgende Angaben enthalten, die nach Maßgabe des Absatzes 5 anzugeben sind: 1. das Ursprungsland oder die Ursprungsländer, in dem oder denen der Honig erzeugt wurde; bei mehr als einem Ursprungsland kann stattdessen jeweils eine der folgenden Angaben gemacht werden, sofern der Honig dort erzeugt wurde: a) "Mischung von Honig aus EG-Ländern",
b) "Mischung von Honig aus Nicht-EG-Ländern", c) "Mischung von Honig aus EG-Ländern und Nicht-EG-Ländern", 2. den Hinweis "nur zum Kochen und Backen" bei Erzeugnissen nach Anlage 1 Abschnitt II Nr. 9.
(5) Die Angabe nach Absatz 4 Nr. 2 ist in Verbindung mit der Verkehrsbezeichnung anzubringen. Im Übrigen gilt für die Art und Weise der Kennzeichnung nach Absatz 4 § 3 Abs. 3 Satz 1, 2 und 3 erster Halbsatz und Abs. 4 der Lebensmittel- Kennzeichnungsverordnung entsprechend.
(6) Bei Erzeugnissen nach Anlage 1 Abschnitt II Nr. 8 und 9, die nicht zur Abgabe an Verbraucher bestimmt sind, sind die Verkehrsbezeichnungen auf den Transportbehältern, den Verpackungen und in den Geschäftspapieren anzugeben; dem Verbraucher stehen Gaststätten, Einrichtungen zur Gemeinschaftsverpflegung sowie Gewerbetreibende, soweit sie Lebensmittel zum Verbrauch innerhalb ihrer Betriebsstätte beziehen, gleich.

§ 4 Verkehrsverbote
Gewerbsmäßig dürfen nicht in den Verkehr gebracht werden:
1. Lebensmittel, die mit einer in Anlage 1 aufgeführten Bezeichnung versehen sind, ohne den in Anlage 1 genannten Begriffsbestimmungen oder den Vorschriften des § 2 zu entsprechen,
2. Honig, dessen Bezeichnung durch die in § 3 Abs. 3 vorgesehenen Angaben ergänzt ist, ohne den dort genannten Anforderungen zu entsprechen,
3. Erzeugnisse im Sinne der Anlage 1, die nicht mit einer nach § 3 Abs. 4, auch in Verbindung mit Abs. 5 Satz 1, oder Abs. 6 vorgeschriebenen Angabe versehen sind.

§ 5 (weggefallen)
-
§ 6 Straftaten und Ordnungswidrigkeiten
(1) Nach § 59 Abs. 1 Nr. 21 Buchstabe a des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuches wird bestraft, wer entgegen § 4 Nr. 1 oder 2 Lebensmittel in den Verkehr bringt.
(2) Wer eine in Absatz 1 bezeichnete Handlung fahrlässig begeht, handelt nach § 60 Abs. 1 des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuches ordnungswidrig.
(3) Ordnungswidrig im Sinne des § 60 Abs. 2 Nr. 26 Buchstabe a des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuches handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 Nr. 3 ein Erzeugnis in den Verkehr bringt.

§ 7 Übergangsregelung
Bis zum 31. Juli 2004 dürfen Erzeugnisse nach den bis zum 28. Januar 2004 geltenden Vorschriften hergestellt und gekennzeichnet werden. Nach Satz 1 hergestellte und gekennzeichnete Erzeugnisse dürfen bis zum Abbau der Vorräte in den Verkehr gebracht werden.

§ 8
-
§ 9 Inkrafttreten, Außerkrafttreten
(1) Die Verordnung tritt am Tag nach der Verkündung in Kraft.
(2)

Schlussformel
Der Bundesrat hat zugestimmt.

Anlage 1 (zu den §§ 1, 3 und 4)
Begriffsbestimmungen, Verkehrsbezeichnungen
Abschnitt I
Allgemeines
Honig ist der natursüße Stoff, der von Honigbienen erzeugt wird, indem die Bienen Nektar von Pflanzen oder Sekrete lebender Pflanzenteile oder sich auf den lebenden
Pflanzenteilen befindende Exkrete von an Pflanzen saugenden Insekten aufnehmen, durch Kombination mit eigenen spezifischen Stoffen umwandeln, einlagern, dehydratisieren und in den Waben des Bienenstocks speichern und reifen lassen. Honig besteht im Wesentlichen aus verschiedenen Zuckerarten, insbesondere aus Fructose und Glucose, sowie aus organischen Säuren, Enzymen und beim Nektarsammeln aufgenommenen festen Partikeln. Die Farbe des Honigs reicht von nahezu farblos bis dunkelbraun. Er kann von flüssiger, dickflüssiger oder teilweise bis durchgehend kristalliner
Beschaffenheit sein. Die Unterschiede in Geschmack und Aroma werden von der jeweiligen botanischen Herkunft bestimmt.

Abschnitt II
Honigarten
Nach Herkunft, Gewinnungsart, Angebotsform oder Zweckbestimmung werden folgende Honigarten unterschieden:
Verkehrsbezeichnung Begriffsbestimmung
1. Blütenhonig oder Nektarhonig vollständig oder überwiegend aus dem Nektar von Pflanzen stammender Honig
2. Honigtauhonig Honig, der vollständig oder überwiegend aus auf lebenden
Pflanzenteilen befindlichen Exkreten von an Pflanzen saugenden Insekten (Hemiptera) oder aus Sekreten lebender Pflanzenteile stammt
3. Wabenhonig oder Scheibenhonig von Bienen in den gedeckelten, brutfreien Zellen der von ihnen frisch gebauten Honigwaben oder in Honigwaben aus feinen, ausschließlich aus Bienenwachs hergestellten gewaffelten Wachsblättern gespeicherter Honig, der in ganzen oder geteilten Waben gehandelt wird
4. Honig mit Wabenteilen oder Wabenstücke in Honig, der ein oder mehrere Stücke Wabenhonig enthält
5. Tropfhonig durch Austropfen der entdeckelten, brutfreien Waben
gewonnener Honig
6. Schleuderhonig durch Schleudern der entdeckelten, brutfreien Waben
gewonnener Honig
7. Presshonig durch Pressen der brutfreien Waben ohne oder mit
Erwärmung auf höchstens 45 Grad C gewonnener Honig
8. gefilterter Honig Honig, der gewonnen wird, indem anorganische oder
organische Fremdstoffe so entzogen werden, dass Pollen in
erheblichem Maße entfernt werden Verkehrsbezeichnung Begriffsbestimmung
9. Backhonig Honig, der für industrielle Zwecke oder als Zutat für
andere Lebensmittel, die anschließend verarbeitet werden,
geeignet ist

Anlage 2 (zu den §§ 2 und 4)
Anforderungen an die Beschaffenheit
Abschnitt I
Allgemeine Anforderungen
Honig dürfen keine anderen Stoffe als Honig zugefügt werden.
Honig muss, soweit möglich, frei von organischen und anorganischen honigfremden Stoffen sein. Honig dürfen jedoch keine honigeigenen Stoffe entzogen werden, soweit dies beim Entfernen von anorganischen oder organischen honigfremden Stoffen nicht unvermeidbar ist. Abweichend davon dürfen gefiltertem Honig Pollen entzogen worden sein. Honig darf keinen künstlich veränderten Säuregrad aufweisen. Honig darf mit Ausnahme
von Backhonig keinen fremden Geschmack oder Geruch aufweisen, nicht in Gärung übergegangen oder gegoren sein oder so stark erhitzt worden sein, dass die Enzyme erheblich oder vollständig inaktiviert wurden.

Abschnitt II
Spezifische Anforderungen
1. Zuckergehalt
Fructose- und Glucosegehalt (Summe)
a) Blütenhonig mindestens 60 g/100 g,
1.1.
b) Honigtauhonig, allein oder in Mischung
mit Blütenhonig mindestens 45 g/100 g,
Saccharosegehalt
a) Im Allgemeinen höchstens 5 g/100 g,
b) Honig von Robinie (Robinia
pseudoacacia), Luzerne (Medicago
sativa), Banksia menziesii, Süßklee
(Hedysarum), Roter Eukalyptus
(Eucalyptus camadulensis), Eucryphia
lucida, Eucryphia milliganii, Citrus
spp. höchstens 10 g/100 g,
1.2.
c) Honig von Lavendel (Lavandula spp.),
Borretsch (Borago officinalis) höchstens 15 g/100 g.
Wassergehalt
a) Im Allgemeinen höchstens 20%,
b) Honig von Heidekraut(Calluna) und
Backhonig im Allgemeinen höchstens 23%,
2.
c) Backhonig von Heidekraut (Calluna) höchstens 25%.
Gehalt an wasserunlöslichen Stoffen
a) Im Allgemeinen höchstens 0,1 g/100 g,
3.
b) Presshonig höchstens 0,5 g/100 g.
Elektrische Leitfähigkeit
a) Honigarten im Allgemeinen und Mischungen
dieser Honigarten höchstens 0,8 mS/cm,
b) Honigtauhonig und Kastanienhonig und
Mischungen dieser Honigarten mindestens 0,8 mS/cm.
Den unter den Buchstaben a und b festgelegten Anforderungen müssen die
nachfolgend genannten Honigarten sowie Mischungen mit diesen Honigarten nicht entsprechen:
4.
Honige von Erdbeerbaum (Arbutus unedo), Glockenheide (Erica), Eukalyptus,
Linden (Tilia spp.), Heidekraut (Calluna vulgaris), Leptospermum, Teebaum
(Melaleuca spp.). Gehalt an freien Säuren
a) Im Allgemeinen höchstens 50 Milliäquivalente
Säure pro kg,
5.
b) Backhonig höchstens 80 Milliäquivalente
Säure pro kg.
6. Hydroxymethylfurfuralgehalt (HMF), bestimmt nach Behandlung und Mischung
a) Im Allgemeinen, mit Ausnahme von
Backhonig höchstens 40 mg/kg (vorbehaltlich der Bestimmungen unter Nr. 7
Buchstabe b),
b) Honig mit angegebenem Ursprung
in Regionen mit tropischem Klima
und Mischungen solcher Honigarten
untereinander höchstens 80 mg/kg.
Diastase-Zahl nach Schade, bestimmt nach Behandlung und Mischung
a) Im Allgemeinen mit Ausnahme von
Backhonig mindestens 8,
7.
b) Honigarten mit einemgeringen natürlichen
Enzymgehalt (z. B. Zitrushonig) und
einem HMF-Gehalt von höchstens 15 mg/kg mindestens 3.